zurueck vorwaerts

Roses Geheimnis (Rose und Walsh) / Neil Simon

Roses Geheimnis
 
Theater: Kleines Theater Berlin
Regie: Frank-Lorenz Engel
Bühne: Norman Zechowski
Mit: Gudrun Gabriel, Martin Gelzer, Timur Isik, Michaela Hinnenthal


Kleines Theater: "Roses Geheimnis"
//////////////////////     Ein tragikomisches Liebesspiel von Neil Simon
Man wundert sich auf den ersten Blick, dass es hier tatsächlich dem Kleinen Theater gelungen ist, ein Stück von Neil Simon als Berliner Erstaufführung an Land zu ziehen. Aber es ist verglichen mit anderen Werken wie Barfuß im Park, Plaza Suite, Ein seltsames Paar oder Sonny Boys, die diesen Verfasser von Komödien, Musicals und Drehbüchern weltberühmt und stinkreich gemacht haben, doch eher ein kleines Opus, und darum ist es in diesem kleinen Theaterrahmen am Südwestkorso sehr gut aufgehoben. Vielleicht hat man ja am Kurfürstendamm auch etwas Berührungsängste mit einem Stück, das nicht zuletzt mit den Motiven Sterben und Tod spielt. Aber bei Simon, einem Autor, der gerne zwischen Hoch- und Unterhaltungsbühnen pendelt, braucht man keine Angst zu haben: die Heiterkeit kommt bei ihm nie zu kurz. Ich erinnere nur an seine wunderbaren melancholisch autobiografischen Brooklyn Memoiren, die ich sehr liebe.

Ein todsicherer Bestseller
Rose ist eine erfolgreiche Dramatikerin gewesen, hat sogar zwei Pulitzer-Preise bekommen, aber sie leidet schon eine ganze Weile an einer Schreibblockade. Vor fünf Jahren ist ihr geliebter Lebensgefährte Walsh, ein gefeierter Krimiautor, gestorben. Sie vermisst ihn so sehr, und ihre Phantasie ist so stark, vielleicht auch durch die Vermittlung von Jim Beam und anderen geistreichen Stoffen, dass es ihr gelingt, seine flüchtige Gestalt weiterhin an sich zu binden. Abends sind sich Walsh, der alles andere als ein Gespenst ist, und Rose nahe. Nun aber kündigt der lebendig tote Geliebte an, dass er in zwei Wochen endgültig ins Schattenreich verschwinden wird. Und da Rose knapp bei Kasse ist, verrät er ihr das Versteck eines nicht ganz fertig gestellten Romans. Ein junger Autor wird angeheuert, um die fehlenden letzten 40 Seiten zu schreiben für diesen todsicheren Bestseller.

Ungewöhnliches Happy End
Der Witz des Stücks besteht zunächst darin, wie dieser nur für Rose sichtbare und hörbare Tote die Gespräche und Auseinandersetzungen der Schriftstellerin mit ihrer Assistentin und dem eigenwilligen jungen Autor irritiert. Frank-Lorenz Engel hat diese Szenen und auch das unverhoffte Auftauchen, mal hier mal da, des Verblichenen mit den verschiedenen Missverständnissen lebhaft auf der kleinen Bühne inszeniert. Und besonders erfreulich ist, was man bei manchen Stücken der leichteren Muse vermisst, dass Simon mit leichter Hand ein ebenso nachdenklicher wie amüsanter Schluss gelingt. Ich kann ihn nicht verraten. Nur soviel, dass es, Tod hin oder her, zu einem sehr ungewöhnlichen Happy End kommt.

Hörbarer Beifall
Das Kleine Theater hat hier ein auf seine Weise originelles Stück im Spielplan, kein Meisterwerk, aber unterhaltsam. Zuletzt auch rührend, ohne sentimental zu werden. Gudrun Gabriel spielt die exzentrische Schriftstellerin mit alkoholisch hysterisch aufgekratzten Obertönen, Martin Gelzer den dezenten Geliebten aus dem Jenseits, Timur Isik ist der lockige selbstbewusste Jungautor, der eigentlich die Dichterei schon hingeschmissen hatte, jetzt aber, frisch inspiriert, ein eigenes erfolgversprechendes Buch zuwege bringt, das bezeichnenderweise den Titel trägt Roses Geheimnis. Der Beifall am Südwestkorso gestern konnte sich hören lassen.   ///////////  

kulturradio, Peter Hans Göpfert, 21.05.11, 8.10 Uhr