zurueck vorwaerts

Der Gast / David Pharao

Der Gast
 
Theater: Komödie am Kurfürstendamm Theater Berlin / Gastspiele Berlin
Regie: Frank-Lorenz Engel
Mit: Peter Fricke, Konstantin Graudus, Meike Harten, Anton Rattinger


Gutes aus dem Desaster
//////////////////////     Siegen. Nett anzuschauen war das Vier-Personen-Stück "Der Gast", die am Sonntagabend im Apollo-Theater Siegen zu erleben war. Mit dabei: TV-Gesicht Peter Fricke.
aww - "Anpassungsfähig, mittelmäßig und ein bisschen Wischiwaschi" - das ist genau das Anforderungsprofil, das Chef Pontignac für seinen neuen Mitarbeiter auf den Molukken erstellt hat. "Ein Trottel, der seine Klappe hält", wie Gérard, der Mann, um den es geht, seit drei Jahren arbeitslos und Bewerber bei Pontignac, erkennen muss. So einfach kann das sein. Hätte er das bloß geahnt! Er und seine Frau Colette hätten sich eine Menge Stress und Nerven sparen können. Denn Gérard entspricht dem Profil eigentlich aufs Haar, nur hat er alles dafür getan, das nicht durchblicken zu lassen. Unwissentlich, versteht sich. Und wer ist schuld an der Misere? Der Nachbar, Alexandre, ein Image-Berater - ein verkrachter allerdings und schon seit fünf Jahren arbeitslos. Das freilich hat er Gérard und Colette nicht auf die Nase gebunden, als er ihnen seine Dienste förmlich aufzwang.

Komödie am Kurfürstendamm im Apollo
In David Pharaos Vier-Personen-Stück "Der Gast" (Regie: Frank-Lorenz Engel), das die Komödie am Kurfürstendamm am Sonntag im bestens besuchten Siegener Apollo-Theater aufführte, stellt Alexandre den kompletten Haushalt des spießigen Ehepaars auf den Kopf. Gérards (hoffentlich) neuer Chef hat sich zum Essen angesagt. Wenn jetzt alles glatt läuft, dürfte dem neuen Beschäftigungsverhältnis nichts mehr im Wege stehen. Gérard muss also auf Alexandres Geheiß seine durch die gesamte Wohnung geführten Modelleisenbahngeleise abbauen, die Regale müssen umgeräumt werden, die Matisse-Drucke werden von den Wänden genommen, im Austausch gibt es abstrakte Gemälde und eine moderne Plastik. Alexandre kümmert sich um das exquisite Essen, um trefflichen Wein und Schampus, er coacht Gérard in der Konversation mit seinem Chef in spe. Alexandre weiß alles - und macht alles falsch. Der Chef kommt früher als geplant, Colette und Gérard müssen improvisieren, was das Zeug hält, während Alexandre vom Einkaufen kommt und in Pontignac den Blumenlieferanten wähnt. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf - bis hin zum Rausschmiss des potenziellen Arbeitgebers mit Gepolter.

Keinesfalls driftete "Der Gast" ins Klamaukige ab
Doch wo eine Tür zuschlägt, geht bekanntlich zumeist im Leben eine andere auf. Aus dem Desaster erwächst Gutes, und spätestens als Pontignac und Gérard ihre gemeinsame Leidenschaft für Modelleisenbahnen entdecken, ist alles wieder im Lack. Wer mochte, konnte den werkimmanenten Fragen etwa nach Schein und Sein, Authentizität und Opportunismus nachsinnen. Ansonsten gab es einfach eine geradlinig erzählte Komödie als solche zu erleben, die am Ende mit einer pfiffigen Alles-wird-gut-Wendung aufwartete. Die Inszenierung kam nach und nach zunehmend in Fahrt, bot durchaus gute, witzige Unterhaltung und die eine oder andere treffende Pointe, und sie stand glücklicherweise nur selten in der Gefahr, ins Klamaukige abzudriften. Gespielt wurde die Geschichte von einem Ensemble von Könnern. Das bekannte TV-Gesicht Peter Fricke verkörperte den Alexandre, konnte dabei ebenso herrlich cholerisch werden wie Konstantin Graudus als hektischer Gérard. Ganz souverän: Anton Rattinger als "der Gast" Pontignac. Meike Harten war akustisch mitunter etwas mühsam zu verstehen, gab die naive Colette nichtsdestoweniger völlig überzeugend. Kurzum: Es war ein richtig netter Theaterabend - schließlich muss auch nicht immer bahnbrechende moderne Kunst an der Wohnzimmerwand hängen.   ///////////  

www.siegener-zeitung.de, 03.10.2011, 17:40



der Gast
Alles ist schief gegangen; selbst Alexandre (als Diener getarnt) weiß keinen Ausweg mehr.
Komödie Besuch im trauten Spießerheim
//////////////////////     Siegen. Eine Komödie, die nicht mehr verspricht, als sie halten kann. Was man sieht, ist spritzig und amüsant; und wer sich was dabei denken will, sollte keine Probleme haben, fündig zu werden. Ob er an der richtigen Stelle gegraben hat, wird ihm am Schluss allerdings recht plakativ mitgeteilt: man soll aus sich selbst nicht mehr machen wollen, als man ist…
Frank-Lorenz Engel hat die Story flott inszeniert, nirgendwo falsche Töne zugelassen, jede Person individuell in Szene gesetzt…
Im ausverkauften Haus herrschten gute Stimmung und entsprechende Beifallsfreudigkeit.   ///////////  

DerWesten.de, Knut Lohmann, 03.10.2011