zurueck vorwaerts

Die Fledermaus / Johann Strauß

Die Fledermaus
Fotos: Margareta Gulich und Tobias Schunck
 


Königin der Operette: „Fledermaus” feiert Premiere am Landestheater...
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Theater: Landestheater Coburg
Bühne: Tobias Schunck
Kostüme: Claudia Kuhr
Musikalische Leitung: Georgios Vranos
Choreografie: Katharina Torwesten
Mit: Karsten Münster, Stefanie Smits, Katrin Dieckelt, Marek Reichert, Petra Gruber, Jason Tomory, Stephan Mertel, Benjamin- Edouard Savoie, Ulrike Barz, Wolfgang Mühlenbeck, Frank Sven Bartlau


Champagnerrausch und Schnaps im Kastner
Frisch-fröhliche Premiere der „Fledermaus” von Johann Strauß voller köstlicher Elemente
///////////   Coburg – Kaum haben sich die ersten Wogen spritzigster Ouvertürenklänge ein wenig geglättet, da beginnt sich eine merkwürdige Fledermaus auf der Bühne zu räkeln. Aber wer ist dieser völlig betrunkene Batman, dem jegliche Orientierung fehlt, während aus dem Graben mal donnernd und impulsiv, mal tänzerisch-sentimental das bevorstehende Geschehen schon vorab in berauschender Weise vom Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg unter der Leitung von Georgios Vranos zusammengefasst wird? Spottende Schulmädchen machen sich lustig über Mr. Fledermaus, lassen seine Flügel flattern, flirten – und entfernen sich angewidert, als er in eine Mülltonne tritt, in die er eben seinen kompletten Magen entleert hat. Peinlich, peinlich, wenn einem so etwas passiert wie dem stadtbekannten Anwalt Dr. Falke. Von einem guten Freund abgefüllt und am nächsten Morgen auf dem Marktplatz der Lächerlichkeit preisgegeben – das war alles andere als anständig von Freund Gabriel von Eisenstein. Die Rache der „Fledermaus” in Form von Johann Strauß gleichnamiger Operette inszeniert Frank-Lorenz Engel so kurzweilig-pointiert, so prickelnd wie schwungvoll, dass die drei Stunden am samstäglichen Premierenabend im Coburger Landestheater wie im Flug vergehen. Arien, Couplets und Dialoge gehen nahtlos ineinander über, Irrungen und Wirrungen werden inszeniert oder ergeben sich von selbst, und dem Fachmann für Komödien Frank-Lorenz Engel gelingt es, den Darstellern überschäumende Energien zu entlocken. Detailverliebt lässt er das Geschehen seinen Lauf nehmen, aber so gekonnt, dass es nicht aufgesetzt oder gespielt wirkt…
Zwischen ihnen kribbelt es, und irgendwie kribbelt es zwischen allen abwechselnd auf der Bühne – und letztendlich auch zwischen Zuschauern und Bühnenpersonal. Bevor Rosalinde mit ihrem berühmten Csárdás alle Anwesenden zu betäuben scheint, muss erstmal der Schauplatz vom edlen Salon in den goldgetäfelten Partysaal des Prinzen Orlofsky verwandelt werden – aber kein Problem: Tobias Schuncks Bühnenbild lässt sich drehen und erlaubt interessanterweise von allen Schauplätzen aus den Blick auf den gemeinsamen begrünten Innenhof. Der Prinz selbst derart dekadent, dass eigentlich keine Steigerung mehr möglich ist: Gelangweilt, in absoluter Null-Bock-Haltung fläzt er sich auf diverse Sitzmöbel, erleichtert seinen Gästen die Getränkewahl, indem er ihnen die Pistole auf die Stirn setzt und kommandiert Security-Muskelpaket Ivan wie einen Hund herum…
Zu den samtweichen Klängen von „Brüderlein und Schwesterlein” führt Falke im Finale des 2. Akts scheinheilig – und endlich den Prinzen belustigend – alle falschen Paare mit einem überdimensionalen Memory-Spiel zusammen, bevor er nach der Pause das gesamte Verwirrspiel aufdeckt und mit dem gehörnten Eisenstein abrechnet, bevor sich alle Wirren in Wohlgefallen auflösen. Kein Wunder, dass das Premierenpublikum diese über die Maßen gelungene Symbiose aus musikalischer Perfektion, energiegeladener Darstellung und schwungvollen Tanzeinlagen mit teilweise stehenden Ovationen feierte.   ///////////  

Neue Presse, Christine Potyra, 05.10.2009



Tanz auf dem Vulkan
///////////   Ich mag es eigentlich nicht, wenn die Ouvertüre bebildert wird. Wenn man aber einen Ausnahmedarsteller wie Marek Reichert als verkaterten Falke im Batmankostüm mit passender Boxershorts und die drei kurzberockten Manga Schoolgirls hat, die den armen Rechtsanwalt necken und quälen, macht es durchaus Sinn die Vorgeschichte der „Fledermaus” einmal auf die Bühne zu bringen.
Ja und damit war es auch klar, Frank-Lorenz Engel lässt seine Fledermaus nicht im 19. Jahrhundert spielen, sonder transponiert die Handlung weg aus dem Baden bei Wien ins Frankenland der Jetztzeit. Und damit waren auch alle änderungen vom Original abgehakt. Was blieb war eine grandiose, sowohl szenisch als auch musikalisch, Operetteninterpretation. Gleich zu Beginn ließen Georgios Vranos und das Philharmonische Orchester die Champagnerkorken knallen. Im klugen Bühnenbild von Tobias Schunck und den ansprechenden Kostümen von Claudia Kuhr entwickelte Frank-Lorenz Engel zusammen mir seinem Ensemble dieses Spiel und Liebe und Betrug.
Müßig wäre es Einzelne im Ensemble hervorzuheben, so stimmig und geradezu perfekt sind die Darsteller von den Hauptpartien bis hin zu den Nebenrollen. Dennoch seien einige besonders erwähnt. Als erstes sei die Adele, Katrin Dieckelt, genannt. Ihr leichter Sopran erreicht scheinbar mühelos die höchsten Koloraturen, ihr gefälliges Spiel ergänzt ihre Rolleninterpretation des aufstrebenden Stubenmädchens. Ihr Dienstherr Gabriel von Eisenstein, ein dauergeiler, fremdgehender Choleriker findet in Karsten Münster den idealen Darsteller. Stimmlich sicher, voll Spielfreude gibt er den Pseudolebemann aufs Beste. Stefanie Smits als Rosalinde gibt die enttäuschte Gattin, die aber auch jede Gelegenheit nutzt ihren Gatten zu hintergehen. Ihr Csardas im zweiten Akt setzt Maßstäbe. Bliebe dann noch Petra Gruber. Ihre Deutung des Prinzen Orlovsky lässt keine Wünsche offen. Stimmlich topp, gibt sie dieses zwittrige Wesen auch als Person gespalten. Zusammen mit Engel entwickelt sie die Rolle sehr zweideutig. Ist sie der gelangweilte, adlige Russe oder ist sie mehr eine sadistische Puffmutter mit „kessen Vater”- Allüren? Beide geben, Gott sei Dank, keine eindeutige Antwort darauf. Engel und Vranos entwickeln die Operette sehr partiturnah, lassen sich auf die Erotik der Musik ein und unterstützen sie mit geballten saftigen Bildern. Just in dem Moment, in dem der zweite Akt seinem Höhepunkt entgegen eilt, nach dem wunderbaren „DuiDu” Walzer, sensationell der Chor des Landestheaters unter Stefan Meier, entlässt der Regisseur sein Publikum in die Pause. Jeder weiß, was jetzt kommt, und die Darstellung dessen überlässt man besser der Fantasie des Zuschauers.
Nach der Pause endet der zweite Akt mit dem Finale, die Bühne dreht sich wiederum und dann kommt�s ganz Dicke. Stephan Mertls Ein-Mann-Show als Frosch. Mertl, sonst immer eine sichere Bank im Coburger Schauspielensemble, begibt sich hier auf das dünne Eis des Dritten-Akt-Komikers. Um es gleich zu sagen, es war eine weitere Sensation in dieser von Höhepunkten so reichen Inszenierung. Engel verlässt sich auch hier auf altbewährte Gags und auf seinen überragenden Darsteller. Im Finale ultimo berauscht der Champagner noch einmal alle, die Solisten, den Chor, das liebevoll choreographierte Ballett unter Katharina Torwesten, und die Statisterie. Unter rauschendem Beifall endete ein Abend, der gut und gerne doppelt so lange hätte sein können. Viel zu schnell endete die gefühlte halbe Stunde.   ///////////  

Der Opernfreund, 37. Jhg, Alexander Hauer



Die Majestät wird anerkannt, anerkannt...
Johann Strauß' Operette „Fledermaus” schwirrt wieder über der Bühne des Landestheaters.
///////////   Coburg - Es war eine rauschende Operettennacht. Die Musik sprudelte wie der orgiastisch besungene Champagner im Kopf, in Theater-Trance verließen die Zuschauer am Samstag nach der Premiere der „Fledermaus” das Landestheater. Der musikalische Leiter Georgios Vranos und Gastregisseur Frank-Lorenz Engel, ein Meister der feinen Komödienkunst, wie wir schon von seiner „Pension Schöller” wissen, hatten diesen Zustand herbeigeführt, im Verein mit einem sich selbst und die Zuschauer euphorisierenden Philharmonischen Orchester und einem vor Witz und humoristischen Geist sprühenden Ensemble…
Eben diesen vor Witz und Vergnügen schwebenden Zustand vermag Regisseur Frank-Lorenz Engel über drei Stunden hinweg als turbulentes Spiel der Maskeraden, Verstellungen, Täuschungen und abstrusen Begegnungen aufrecht zu erhalten mit seiner vor Einfällen und ironisierenden Nuancen sprühenden Personenführung, mit kleinen surrealen Ausbrüchen. Gelegentlich und ganz folgerichtig fallen alle gänzlich ins Tänzerische (Choreografie Katharina Torwesten). Obwohl diese genüssliche Boulevardgeschichte um den ehelichen Lug und Betrug des Herrn von Eisenstein und seiner prinzipiell nicht minder agilen Gattin Rosalinde in einer vor überdruss nicht mehr ein und aus wissenden Gesellschaft im modernen Kostüm (Claudia Kuhr) tänzelt, schweben wir in einem glitzernden, flirrenden Traumland. Sie dürfen von dort durchaus selbst-, zeit- oder wie auch immer-kritisch blicken wohin Sie wollen. Blöde benebelnd ist dieser Zustand nämlich nicht, dafür kichert viel zu viel Ironie. Sie dürfen aber auch einfach mit tänzeln und -träumen. Wenn Sie erwachen, geht es Ihnen besser…   ///////////  

Coburger Tageblatt, Carolin Herrmann, 05.10.2009